zen-babu

„Es kann sein, dass wir in unserem Leben an einen Punkt kommen, wo uns herkömmliche Antworten auf die Fragen, die in unserem Inneren brennen, nicht mehr zufriedenstellen. Sich selbst und das Leben in seiner Tiefe und unermesslichen Bedeutung zu verstehen, ist für jeden möglich, der sich danach sehnt. Dafür muss man weder jemandem folgen, noch irgendetwas glauben. Was wir brauchen ist ein wacher Geist, der sich selbst erforschen mag, und ein offenes lebendiges Herz. Mit diesen wertvollen Werkzeugen, die sowieso zu unserer Natur gehören, lässt sich das, was wir wirklich sind, was ewiges Sein ist, was grenzenlos ist, was Liebe ist, einfach und klar erkennen."

Chandana




Frage: „Wie soll ich mit meinen Gefühlen umgehen? Ich habe gehört und gelesen, dass wir nicht unsere Gefühle sind. Aber sie sind ja doch da, was kann ich also tun?"

Chandana: „Gefühle sind Teil der menschlichen Erfahrung. Jedes menschliche Wesen hat Gefühle, mehr oder weniger intensiv, mehr oder weniger bewusst. Die allermeisten Ängste agieren aus dem Unbewussten und die gegenwärtige besorgniserregende Situation auf unserem Planeten ist vor allem das Ergebnis dieser Ängste.

Die angenehmen Gefühle machen natürlicherweise nicht zu schaffen, aber was tun mit den unangenehmen Gefühlen? Wir haben, als wir jung waren, allen möglichen Quatsch gelernt, aber nicht, wie wir mit diesen Gefühlen umgehen können. Letztendlich haben wir gelernt, unser Leben mittels des Verstandes im Griff zu halten, was einerseits gut funktioniert, andererseits das eigentliche Leben, nämlich Liebe, Freude, Frieden, Kreativität abtötet.

Wann immer du starke Gefühle empfindest, gehst du damit gewohnheitsmässig in den Kopf, in die Ebene des Mentalen. Du analysierst, du hast einen Schuldigen, der im Geiste Vorwürfe erhält, du lamentierst und vor allen Dingen leidest du. Du leidest unter dieser Verstandestätigkeit, da jeder dieser Gedanken wiederum eine schmerzhafte Reaktion im Körper auslöst. Diese Reaktion bringt noch mehr Gedanken hervor und du befindest dich in einem Teufelskreis, dem du dann nur mit massiven Ablenkungsstrategien entfliehen kannst. Das ist der Grund, warum die Unterhaltungsindustrie so boomt. Weil ein Grossteil der Menschheit randvoll mit unerträglichem Leiden ist. Ich schlage vor, das Gefühl zu fühlen. Warum? Weil es da zu sein scheint. Wenn du verstehen möchtest, wenn du Wahrheit möchtest, was der tiefste Impuls deines Herzens ist, dann existiert eine grosse Bereitschaft in dir, dich allem zu stellen, was da jetzt da ist, auch wenn es nicht angenehm ist.

Also kannst du dir das Gefühl ansehen. Der Verstand wird weiterhin versuchen, mittels Gedanken, die Sache in den Griff zu bekommen. Hör nicht auf ihn, lass ihn reden, aber hör nicht darauf. Schaue direkt nach dem Gefühl. Wo fühlst du es im Körper? Alle Gefühle zeigen sich im Körper. Also wo fühlst du es jetzt? Schmerzhafte Gefühle drücken und kontrahieren, wir fühlen sie als unangenehme Empfindungen im Körper , z. B. im Rücken, im Schulterbereich, in den Augenhöhlen, im Herzbereich, im Bauch, manchmal im ganzen Körper, manchmal in verschiedenen Bereichen. Oft gibt es einen Platz, wo du die Empfindung am stärksten fühlst. Gehe so total wie möglich in diese Empfindung hinein, so als seiest du mittendrin und um dich herum ist diese Empfindung. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du in der Mitte bist, macht das nichts. Wichtig ist, dass du so vollkommen wie nur möglich bei dieser Empfindung im Körper verharrst.

Dies ist ein direktes Treffen dessen, was wir Gefühl nennen. Und wann immer wir unser Bewusstsein vollkommen und direkt auf etwas richten, landen wir sofort im Frieden, in der Stille, im Sein. Vielleicht fühlst du dann immer noch ein wenig Schmerz im Körper, weil der Körper oft etwas langsam ist. Aber ... da ist wundervoller unendlich friedlicher Raum in dir und das bisschen Schmerz ist da einfach willkommen, es schwebt im grenzenlosen Sein. Dies mag wie eine Methode aussehen, eine Technik. Aber es ist ganz einfach Bewusstsein - das was du bist, was das Gefühl als Tor benutzt, um wieder zu sich selbst zu kommen, um aufzuwachen. In Wahrheit tust du garnichts, da ist nur das wache Gewahrsein. Mittels des Verstandes identifizieren wir uns mit Gefühlen, im genauen Hinsehen löst sich die Identifikation auf, das scheinbar wahre Gefühl kehrt zur Quelle zurück, kehrt zu dir zurück, zu dem, die/der du wirklich bist.

So siehst du, dass du nicht das Gefühl bist, sondern etwas Unendliches, Friedliches, Unermessliches. Gefühle kommen und gehen, das ist so, wenn man in einem menschlichen Körper steckt. Gefühle sind nichts Verkehrtes, sie sind letztendlich nur Gefühle, Phänomene wie Wolken am Himmel. Wir haben nur gänzlich unbrauchbare Informationen bekommen, wie wir das Leben leben können. Jetzt können wir neu beginnen. Experimentiere, schau selbst, frag dich: wer hat dieses Gefühl? Jede Situation des Lebens kann eine Tür nach Hause werden, wenn wir wach und unvoreingenommen hinsehen."



„Wenn wir ein bisschen genauer hinsehen, dann können wir  klar erkennen, dass jeder Moment vollkommen neu ist. Fragen wir uns ganz ehrlich, wer diesen Moment wahrnimmt, kann sich ganz natürlich unser wirkliches Selbst offenbaren, welches wundersam still, grenzenlos und wahr ist. Geben wir DEM unsere Aufmerksamkeit, erfüllt sich der Sinn unseres Lebens in grosser Freude und Liebe."

Chandana

zen-babu


Frage:Was ist Spiritualität?"

Chandana:Spiritualität ist ein Begriff, der wie kein anderer so entsetzlich missverstanden wird, dass es besser ist, ihn garnicht zu gebrauchen. Aber wir können versuchen, Licht in das Dunkel zu bringen. Seit es Menschen gibt, gibt es die Frage, dass es doch mehr als nur das, was unsere Augen sehen können, mehr als man schmecken, tasten und riechen kann, geben muss. Auch früher schon war die Freude jenseits allen Begreifens, wenn ein Baby geboren wurde. Und der Tod hat von jeher den Menschen tief getroffen. Von Anbeginn bis Heute suchten und suchen Menschen nach Erklärungen, nach einem tieferen Verstehen, was Leben und Tod bedeutet, ob da ein Sinn dahinter steht.

Lange glaubte man an Götter, die man für sehr machtvoll hielt und die man mit Opfern immer gnädig stimmen musste. Dann glaubte man dem christlichen Gott und Allah, der moslemischen Variante. Ein sowohl liebevoller, als auch strafender Übervater, der in den Köpfen der Menschheit, und zwar nur dort, bis in unsere heutige Zeit überlebt hat. Aber schon vor tausenden von Jahren gab es überall auf dem Planeten tiefste Einsichten in die Wahrheit des Seins. Alle grossen Religionen sind aus diesen Erkenntnissen entstanden. Aber diese Religionen entwickelten sich immer zu einer second-hand-Spiritualität, da „Fachleute“ in Sachen Spiritualität, genannt Priester, ohne eigenes inneres Verstehen nur die „wahren“ Worte wiederholten und sich damit Machtpositionen schaffen konnten.

Die Quelle aller Religionen ist die Gleiche. Aber trotz der Verzerrungen und falschen Aussagen und Übersetzungen gab und gibt es auch immer Menschen, die den Zugang zur Quelle wieder gefunden haben oder nie verloren haben. Die Quelle, das Sein, Wahrheit oder das wahre Selbst oder das wahre Ich kannst du erfahren, sehen, wiedererkennen. Es ist nichts zum vorstellen und daran glauben, sondern zum wiederfinden, als das, was du bist. Sicherlich gab es auch zu allen Zeiten Menschen, die durch tiefen Glauben und eine ehrliche Hingabe des Herzens existenziellen Kontakt mit dem Göttlichen bekamen. Aber in unseren Zeiten passiert ein wundervolles Phänomen, nämlich dass immer mehr Menschen einfach aufwachen, einfach sehen wer sie wirklich sind.

Lass uns einfach noch etwas tiefer schauen: Was ist die Quelle, was ist das Göttliche, das innere Sein, die unsterbliche Essenz allen Lebens? Wie kannst du DAS in dir sehen? Indem du dich einfach auf das Risiko einlässt und einmal vollkommen still bist, kein Gedanke, nichts. Du wirst nicht tot umfallen, sondern du siehst, dass da Stille in dir ist und diese Stille keine Grenzen hat. Und du kannst sehen, dass da Niemand ist. Kein „Ich“, kein Jemand, nur Stille und Frieden.

Dieses Experiment kannst du genau jetzt machen. Aber vielleicht bekommst du Hunger oder das Telefon klingelt und schwupp bist du wieder in der altvertrauten Situation deines gewöhnlichen Lebens. Aber jetzt hast du vielleicht einen kleinen Geschmack bekommen, dass da „mehr“ ist.... und eine Sehnsucht nach diesem göttlichen Geschmack entflammt in dir. Dieser kleine Geschmack ist das wertvollste deines Lebens. Du musst jetzt eigentlich garnichts mehr tun, nur nach dem kleinen Geschmack zu sehen, nur immer wieder ganz still sein, immer wieder hier ins jetzt kommen. Der kleine Geschmack besorgt dann den Rest. Er macht die ganze Arbeit. Du musst nur immer bei ihm bleiben.

Irgendwann bemerkst du, dass du dich in der grössten Liebesgeschichte deines Lebens befindest, jenseits aller Vorstellungen. Das innere Sein, die Quelle scheint dein kleines Menschsein immer zu umarmen. Und immer wenn du dich verstrickt fühlst und du es bewusst fühlst und annimmst kommst du wieder nach Hause zum inneren Sein. Da gibt es keine Trennung zwischen dem unendlichen Sein und dem, was da in Form, was Mensch ist. Es ist eins. Das, was in Form ist, ist geboren aus dem, was immer ohne Form ist. Rumi drückt es so aus:

“Im selben Augenblick, da ich meine erste Liebesgeschichte hörte, fing ich an, nach dir zu suchen, ahnungslos, wie blind das war. Liebende begegnen sich nicht irgendwo. Sie sind immerzu ineinander.“

Das ist wahre Spiritualität. Aber wozu es benennen? Das Beste ist, du schaust selbst nach."



22.11.07